Inntalklettergarten Passau am Innufer, Sportklettern

Geschichte

Der Inntalklettergarten wurde 1970 von Manfred Zimmermann erschlossen. Dies betrifft den so genannten Anfänger- und Extremfelsen. 1972 wurden die beiden ca. 150 Meter Stromaufwärts liegenden Felsen „Drei Zinnenklettergarten“ erschlossen. In dieser Zeit wurden ausschließlich Normalhaken verwendet. Top rope Sicherung war zu dieser Zeit noch unbekannt. Das heißt alle Routen wurden im Vorstieg geklettert und nachsteigende von oben gesichert. Zu dieser Zeit wurden einige, Routen vor allem am Extremfelsen, auch technisch geklettert. Der Begriff Rotpunkt war noch nicht geboren. Die „Inntalkletterer“ waren zu dieser Zeit eine eingeschworene Gemeinschaft. Der Klettergarten ein Trainingsgebiet für alpine Touren.

Ab dem Jahr 1979 haben sich dann verstärkt Mitglieder der DAV-Ortsgruppe Pocking um den Klettergarten „gekümmert“. Vor allem Gerhard Gocek und Jürgen Eichinger waren sehr aktiv. Zum einen wurden die schon wieder vermossten Felsen ausgiebig geputzt, zum anderen wurde der Klettergarten deutlich erweitert und viele Routen erstmals frei geklettert.

Mitte der 80ziger Jahre hat auch Jo Kirschner aus Passau einige sehr schwierige Routen erstbegangen. Ende der 80ziger, Anfang der 90ziger Jahre haben sich Gerhard Gocek und Jürgen Eichinger aus beruflichen Gründen aus der Inntal-Kletterszene zurückgezogen und überließen Matthias Leopold das Feld. Matthias widmete sich den letzten freien Wänden und eröffnete vor allem schwere Sportkletterrouten im achten und neunten Grad.

Ende der 90er und Anfang der 2000er war dann eine Gruppe um Florian Probst sehr aktiv. Ich habe dann ebenfalls Anfang der 2000er begonnen mich um den Klettergarten zu kümmern. Bis ich dann Anfang 2011 aus familiären Gründen keine Zeit mehr hatte.

Seit 2017 kümmert sich nun wieder Jürgen Eichinger um den Klettergarten und wird hierbei von mir und einigen weiteren Kletterer unterstützen.

Auch der DAV Passau unterstützt den erhalt des Klettergartens.

Manfred Zimmermann

Manfred Zimmermann

Hochtourenführer und Mitglied der Bergwacht ist der Gründer des Inntalklettergartens.

Mit der Idee 1971 einen Klettergarten mit Kletterschule zu gründen, war er ein Vorreiter auf diesem Gebiet.

Dies bezeugen auch die vielen Zeitungsberichte und der besuch des ORF Fernsehteams im Klettergarten.

Absicherungsphilosophie

Ursprünglich wurden Normalhaken verwendet. Der Dachüberhang würde dann bereits Mitte der 70er mit Bohrhaken in Handmeißeltechnik von unten erstbegangen.
Da es auch in den 80ziger Jahren noch keine Akku-Bohrer gab, mussten alle BH mit der Hand gebohrt werden, was im harten Granit mindestens eine halbe Stunde Schinderei bedeutete. Klettergärten waren zu dieser Zeit selten Selbstzweck, sondern dienten fast immer als Training fürs Gebirge. Die Touren wurden deshalb auch meistens sehr „alpin“ abgesichert. Bohrhaken gab es nur an den Stellen, wo keine anderen Sicherungsmittel (Klemmkeile, Friends) gelegt werden konnten. Jeder, der damals im Klettergarten unterwegs war, hatte auch Keile usw. dabei.
Die diesbezügliche Einstellung der Kletterer hat sich hier grundlegend geändert. Viele Besucher kommen aus den Hallen gehen ohne entsprechende Voraussetzungen und Wissen an die Felsen. Es wurde und wird versucht dem Rechnung zu tragen.
An den stark frequentierten Felsen (Platte, Anfängerfels, Extremfels, Drei Zinnen und Aussichtsfels) wurden fast alle Normalhaken und alten Bohrhaken entfernt und durch Bohrhaken ersetzt. Allein bei der Sanierung des Drei-Zinnen-Felsen wurden 70 (!!) Edelstahl-Expansions-Bohrhaken gesetzt!!!! Damit ist nun auch an den wichtigsten Felsen im Inntalklettergarten ein nahezu plaisirmäßiges Klettern möglich.

Dennoch muss darauf hingewiesen werden, ein Klettergarten ist keine Kletterhalle. Die Kletterhaken wie auch der Felsen ist einer fortlaufenden Witterung und Erosion ausgesetzt. Es können jederzeit Griffe oder Tritte ausbrechen. Auch die Funktions-tüchtigkeit der Haken ist von jedem Kletterer selbst zu prüfen. Der Klettergarten ist frei zugänglich und es kommt immer wieder vor, dass Haken manipuliert oder durch leihen nicht richtig gesetzt wurden. Auch sind die Haken einem fortlaufenden Verschleiß ausgesetzt.

Inntalklettergarten im Fernsehen

Schon mehrere Mal hat der Klettergarten als Filmkulisse gedient. In den 70er Jahren war der ORF vor Ort und 1986 sowie 1988 wurden am Extremfelsen und am Pumpdach Aufnahmen für zwei Kletterfilme gedreht. Der eine wurde im Bayerischen Fernsehen in Bergauf-bergab gezeigt, der zweite Film lief im Schweizer Fernsehen (!) und wurde sogar auf dem Internationalen Bergfilmfestival in Trient ausgezeichnet. Für diesen Film ist auch im Klettergarten Fischhaus gedreht worden.
Im Jahr 1999 war das Bayerische Fernsehen wieder im Inntalklettergarten. Im Rahmen der Sendung „Bilder einer Landschaft: Der untere Inn“ wurden auch die Kletterfelsen zwischen Vornbach und Neuburg vorgestellt. Dabei wurde der Götterquergang geklettert.

Nach umfangreichen Erschließungen in den 70er Jahren wurden durch die Weiter-entwicklung des Klettersports in den 80ziger Jahren die bisher technisch gekletterten Routen frei begangen und weitere Routen neu erschlossen.

Gründer

Manfred Zimmermann Inntalklettergarten Passau
Manfred Zimmermann
Tassilo Zimmermann Inntalklettergarten Passau
Tassilo Zimmermann
Andreas Hofer Inntalklettergarten Passau
Andreas Hofer
Franz Maurer Inntalklettergarten Passau
Franz Maurer
Martin Kolbacher Inntalklettergarten Passau
Martin Kolbacher
Franz Waldhör Inntalklettergarten Passau
Franz Waldhör
Karl Jonas Inntalklettergarten Passau
Karl Jonas
Erich Jonas Inntalklettergarten Passau
Erich Jonas

Liste der Kletterrouten, die in den 80ziger Jahren neu geklettert wurden:

Platte:
„Platte“, VI+, Jürgen Eichinger
„Psycho“, VII, Jürgen Eichinger

Wand rechts der Platte:
„Monique“, VI+, Jürgen Eichinger
„Know how“, VI-, Jürgen Eichinger
„Kratz die Kurve“, VI, Mathias Leopold

Extremfels:
„Keck um’s Eck“, VI, Jürgen Eichinger
„Birkenrisse, IV+, Gerhard Gocek, Jürgen Eichinger
„Ejaculatio präcox“, VII
( nur wenn man links der Tassilo Route bleibt und ohne Riss!), Jo Kirschner
„ Jumping Jack“, VIII-, Jo Kirschner
„Jo’s Route“, VIII+, (Jo Kirschner??)

3 Zinnen-Felsen: unterster Sektor:
„Scotoni-Route“;IV+, Gerhard Gocek, Jürgen Eichinger
„Illusion“, VII- (am Einstieg erst beim dritten BH gerade hoch!!), Gerhard Gocek, Jürgen Eichinger
„Direkte“, V-, Jürgen Eichinger
„Simplex“, IV+; Jürgen Eichinger

3 Zinnen-Felsen: mittlerer Sektor:
„Baby Po“, VI+, Jürgen Eichinger
„ÖBG“, VI+, Leo Himsel, Jürgen Eichinger
„Eroscenter“, VII, Jürgen Eichinger

3 Zinnen-Felsen: oberster Sektor:
„Footloose“, VI, Jürgen Eichinger
„Teamwork“,VI, Jürgen Eichinger, Gerhard Gocek
„Sexy“, VII, Jürgen Eichinger
„Melusin mit Direkteinstieg“,VIII, Jo Kirschner
„Symphonie“,VII-, (Erstbegeher?)
„Supercrack“, V, Gerhard Gocek, Jürgen Eichinger
„Feinste vom Feinen“, VI+, Jürgen Eichinger
„Klein aber fein“, VI, (Erstbegeher??)

In den 80zigern NEU erschlossene Felsmassive:

Pumpdach: Darf nicht mehr beklettert werden
Die Wand links vom eigentlichen Dach wurde bereits früher erklettert (IV+). Es stecken dort alte Normalhaken!
Neu:
„Pumpdach/Fuck Gravity“, VIII, Jürgen Eichinger, Jo Kirschner

Aussichts– bzw. Teufelsfelsen:
„Da speibst di o“, VIII, Jürgen Eichinger
„Nirwana“, VII, Jürgen Eichinger
„Risschen“, VI+, Jürgen Eichinger
„Dezembertraum“, VI, Jürgen Eichinger
„Im letzten Hemd“, VI-, Jürgen Eichinger

Oberer Fels (im Wald oberhalb dem Extremfelsen): Darf nicht mehr beklettert werden
„Riesenverschneidung“, IV, (Erstbegeher?)
„Zeugende Morgenröte“, VII-, Jürgen Eichinger
„Toperope“, VIII, Jürgen Eichinger

Burgfelsen (=Skelettfelsen) rechter Teil:
„Einarmiger Bandit“, VII-; Jürgen Eichinger
„Tanz der Vampire“, VI, Jürgen Eichinger
„Osterriß“, V, Jürgen Eichinger
„Kalte Grausen“, VI, (Erstbegeher?)
„Geronimus“, III, Jürgen Eichinger
„Variante“, VII, Jürgen Eichinger

Burgfelsen (=Skelettfelsen) linker Teil:
„linke Platte“, VI, (Erstbegeher???)
„Mararena“,VII/VII+, Jo Kirschner
„Direkt“,XI-, Jo Kirschner
„Rentner Franz“, VI+/VII-, Jo Kirschner
„Abi-Riß“, IV, Jürgen Eichinger

Neues Gebiet:
„Linke Route“= (heute)“Fledermaus“, VIII, Jürgen Eichinger

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